Verlustangst in Beziehungen, was tun?

Verlustangst in Beziehung überwinden

Woher kommt Verlustangst in Beziehungen und wie gehe ich damit um? Sind Verlustangst und Eifersucht eigentlich nur zwei Begriffe für die gleichen Symptome? Nein, nicht ganz, Eifersucht ist ein Symptom der Verlustangst.

Ob frisch verliebt oder seit Jahren zusammen, Verlustangst kann uns eine ganze Partnerschaft langegleiten oder immer wieder phasenweise auftauchen. Woher kommt diese Angst, den anderen zu verlieren? Woran kannst du sie erkennen und was kannst du tun, wenn du deine Verlustangst überwinden willst?

Verlustangst ist ein Gefühl, das jeder kennt – jemanden zu verlieren den man liebt oder der einem nahe steht. Wenn die Verlustangst so groß wird, das sie deinen Alltag einnimmt und deine Gedanken immer wieder darum kreisen, dann gilt es schleunigst hinzuschauen! Welche Ursachen stecken dahinter? Wie äußert sich Verlustangst und was kannst du dagegen tun? Lies weiter…

 

Was ist Verlustangst?

Verlustangst beschreibt die Angst davor, eine geliebte Person zu verlieren. In Paarbeziehungen ist sie besonders stark ausgeprägt, kann aber auch andere Beziehungen / Personen betreffen.

Bei Verlustangst wird alles mögliche unternommen, damit es nicht zu einer Trennung kommt. Ganz egal ob die eigenen Bedürfnisse durch den Partner oder die Partnerin erfüllt werden oder ob man glücklich in der Beziehung ist. Die Angst vor einer Trennung ist so groß, dass Betroffene eine emotionale Abhängigkeit entwickeln und daher oft in ungesunden, toxischen Beziehungen bleiben.

Die häufigsten Ursachen für Verlustangst:

  • Erfahrung von Verlust in der Kindheit
  • Abschauen / lernen von überängstlichen Eltern
  • emotionale Vernachlässigung in der Kindheit
  • Erziehung zur eigenen Unselbstständigkeit
  • Angst vor dem Alleinsein durch erlernte Hilflosigkeit
  • frühere traumatische Trennungen (auch im Erwachsenenaltern)
  • fehlende Bewältigungsstrategien / wie gehe ich damit um

 

Meist ist Verlustangst auf Erlebnisse in der Kindheit zurückzuführen.

Traumatische Erlebnisse in der (frühen) Kindheit, z.B. der Tod einer nahestehenden Person oder die Trennung der Eltern – vor allem dann, wenn die Erfahrung nicht verarbeitet und ein gesunder Umgang damit nie erlernt wurde.

Ein erneuter Verlust im Erwachsenenalter, z.B durch die Trennung vom Partner, lässt die Betroffenen das unverarbeitete Trauma der Kindheit durchleben. Denn Verlustangst bei Kindern ist kein temporärer Zustand, der sich von alleine wieder normalisiert, sondern ein Gefühl, das unterschwellig jede Beziehung des Betroffenen im Erwachsenenalter beeinflusst.

Auch sehr ängstliche Eltern, die möglicherweise selbst unter Verlustängsten leiden, projizieren ihre Angst auf ihre eigenen Kinder. In solchen Familiensystemen werden die Kinder oft auch zur Unselbstständigkeit erzogen, das fördert wiederum die Angst vor dem Alleinsein beim Kind. Auch wenn Kinder stark vernachlässigt werden entwickeln sie ein ungesundes Bindungsverhalten das sich im Erwachsenenalter zeigt.

Weiter Gründe für Verlustangst können sein:

Gefühlsunsicherheit

Ein anderer Grund kann sein, dass wir uns der Gefühle des anderen (noch) nicht sicher sind. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Partnerschaft noch frisch ist oder unser Partner oder unsere Partnerin uns zu wenig zeigt, wie wichtig wir ihm oder ihr sind. Das muss gar nichts mit uns zu tun haben – sondern kann wiederum an vergangenen Erfahrungen unseres Partners oder unserer Partnerin liegen.

Eigener Trennungswunsch

Ein dritter Grund ist etwas versteckter und eventuell wollen wir ihn nicht recht wahrhaben: Verlustangst kann auch erlebt werden, wenn wir selbst unzufrieden in der Partnerschaft sind und uns eigentlich trennen möchten. Wenn wir jedoch Angst davor haben, diesen Schritt tatsächlich zu gehen, können wir den Wunsch, uns zu trennen auf den Partner oder die Partnerin übertragen – und leiden unter Verlustangst.

In etwa nach dem Motto: „Gib es zu, du willst mich verlassen!” Dabei wollen wir es selbst.

Symptome und Anzeichen für Verlustangst in Beziehungen

  • Eifersucht
  • Kontrollverhalten
  • Trennungsangst
  • extreme Unsicherheit & vergleichen mit Anderen
  • ständige Bedrohung in anderen Menschen sehen
  • extrem angepasst
  • ständiges Rückversichern
  • sehr nachgiebig
  • Schwierigkeiten damit, „nein“ zu sagen
  • Bedürfnisse für sich behalten
  • Diskussionen aus dem Weg gehen
  • reagieren panisch bei einem Streit

Zudem brauchen Menschen mit Verlustangst viel Bestätigung und Anerkennung von ihrem Partner, um sich ihrer Liebe sicher zu sein. Bleibt das aus, kann das die Verlustängste mit ihren negativen Begleiterscheinungen befeuern. Die emotionale Abhängigkeit vom Partner und das Kontrollverhalten können die Beziehung belasten und zwangsläufig in einer Trennung münden. Die eigene Verlustangst treibt den Partner letztendlich dazu, das zu tun, wovor man am meisten Angst hat: verlassen zu werden.

Negative Beziehungserfahrungen und die Angst vor einer erneuten Trennung können dazu führen, dass Betroffene eine Bindungsangst entwickeln. In Beziehungen halten sie ihren Partner auf Abstand oder sie gehen erst gar keine Beziehung ein, um nicht erneut Trennungsschmerz spüren zu müssen.

Was tun bei Verlustangst? Tipps zur Bewältigung

Wenn die Verlustangst so stark ist, dass sie mit einem hohen Leidensdruck einhergeht und sie immer wieder zu Beziehungsabbrüchen führt, sollten Betroffene gemeinsam mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin den Ursachen auf den Grund gehen.

Darüber hinaus können folgende Tipps dazu beitragen, die Verlustangst zu überwinden und mehr Kontrolle über das eigene Verhalten zu gewinnen:

  1. Um destruktive Verhaltensweisen aufzulösen, ist es wichtig, die eigene Angst zu verstehen: Wodurch wird die Verlustangst ausgelöst? In welchen Situationen zeigt sie sich typischerweise und warum? Tagebuch zu führen, kann dabei helfen, ein Bewusstsein für die eigenen Verhaltensmuster zu entwickeln.
  2. Jede Angst verliert etwas von ihrer Wirkkraft, wenn man über sie spricht und ihr einen Realitätscheck unterzieht. Der wichtigste Gesprächspartner sollte der oder die Beziehungspartner:in sein. Wenn Betroffene offen über ihre Ängste reden, lassen sich viele Beziehungsprobleme vermeiden.
  3. Entspannungs- und Achtsamkeitsmethoden wie Yoga und Meditation helfen dabei, negative Gedankenspiralen zu stoppen und sich nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen.

1. Sei mutig

Der Gegenspieler zur Angst ist Mut. Zunächst braucht es genau das: Mut, die Verlustangst zu fühlen. Achtung, das ist unangenehm! Du kannst es dir jedoch wie einen heftigen Regenschauer oder ein Gewitter vorstellen, dem du dich aussetzt. Kein schönes Gefühl, durchnässt zu werden, aber du kannst dir sicher sein, dass der Schauer – im wahrsten Sinne – irgendwann weniger wird und vielleicht sogar ganz aufhört.

Aber wozu soll es gut sein, dass du dich der Verlustangst stellst? Es ist wichtig, dass du die Erfahrung machst, dass du die Verlustangst aushalten kannst, ohne dich zum Beispiel beim Partner rückzuversichern. Schreibe ihm oder ihr zum Beispiel keine Nachricht, wenn du die Angst fühlst. Erlebe, dass die Angst sich mit der Zeit von alleine in dir auflöst und nicht erst durch eine Nachricht oder ein Treffen. Das zu wissen, kann dein Selbstbewusstsein stärken.

2. Spiele (ein wenig) Detektiv

Es kann sehr hilfreich sein, wenn du weißt, welche vergangenen Erfahrungen eventuell zur Verlustangst beigetragen haben. Vielleicht ist es dir auch bereits bewusst. Wenn du es weißt oder herausfindest, kannst du dir in Verlustangstmomenten sagen: „Das hat gerade nichts mit meinem Partner oder meiner Partnerin zu tun” oder: „Das ist Vergangenheit.”

Doch Obacht: Es ist wichtig, dass du dich nicht in der Ursachenfindung oder der Vergangenheit verlierst. Wenn sich deine Stimmung durch diese Rückschau eher verschlechtert, konzentriere dich wieder auf die Gegenwart, zum Beispiel mit der 5-4-3-2-1-Übung in unserem Artikel zu Überforderung.

3. Kümmere dich um dich selbst

Verlustangst kann auch mit emotionaler Abhängigkeit zu tun haben. Um uns weniger abhängig in der Partnerschaft zu machen, ist es wichtig, dass wir unser eigenes Leben mit Hobbys, Freundschaften und Interessen weiterführen. Dann fällt es uns auch leichter, dem Partner oder der Partnerin Aktivitäten und Zeit außerhalb der Partnerschaft zuzugestehen – uns sogar zu freuen, wenn er oder sie etwas unternimmt, was ihm oder ihr Spaß macht. Falls du dein „Eigenleben” also vernachlässigt hast, nimm es wieder auf. Ideen für den Alltag kannst du dazu auch in unserem zum Thema Selbstfürsorge finden und eine Liste mit schönen Aktivitäten zur Inspiration in Valentinstag alleine.

Auch wenn es viel Arbeit bedeutet und es ein langwieriger Prozess ist: Durch eine Kombination aus Therapie, Achtsamkeit und Offenheit gegenüber dem Partner können Betroffene ihre Verlustangst überwinden und ein gesundes Beziehungsverhalten entwickeln.

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